ZDF heute-journal: "... einer der erfolgreichsten Arbeitsvermittler der Republik."
ZDF heute-journal: "... einer der erfolgreichsten Arbeitsvermittler der Republik."

Corona: Hilflos? Hilfe los! 

Seit März bzw. April stehen unsere Telefone nicht mehr still. Viele Anrufer bangen wegen "Corona" um ihre Arbeit.  Parallel schlossen die Arbeitsagenturen aus dem selben Grund. Um die dringende Hilfe leisten zu können, kamen wir auf eine ungewöhnliche Idee:

Deutschland-Tour für Arbeit über Marktplätze des Landes

Wenn es um die Not von Menschen geht, ist das Geldverdienen zunächst zweitrangig. Meine Mitarbeiter und ich, wir haben selbst alle auch schon das Gefühl der Arbeitslosigkeit erlebt. Um ohne Bürokratie schnell vor Ort bei in Not geratenen Menschen zu sein, haben wir eine Vor-Ort-Tour auf Marktplätzen unseres Landes beschlossen. Wir revitalisierten dazu unseren alten Messestand, beschrieben ein Flipchart provisorisch von Hand, beklebten unser Auto mit "Job-Mobil". Dann fuhren wir auf eigene Kosten "einfach drauf los". Und zwar in die Städte, von denen aus wir besonders häufig angerufen wurden. Wir berieten unter freiem Himmel und verteilten "MUTSCHEINE" mit Tipps und gaben sie als Handzettel weiter. 

Im Mai, Juni und Juli 2020 waren wir mit unserem Stand in fast zwanzig Städten vor Ort: DORTMUND, LEIPZIG, MAGDEBURG, BERLIN, HANNOVER, ERFURT, GELSENKIRCHEN, KÖLN, BONN, GÖTTINGEN, GERA, FRANKFURT AM MAIN, DRESDEN, HAMBURG u.a.

Lage schlimmer als erwartet

Was uns in den Städten begegnete, hatten wir nicht erwartet. Wir trafen optimistische Menschen, es gab Passanten, die beruflich nicht von der Krise betroffen sind und uns dennoch große Wertschätzung für die Tour-Initiative zusprachen. Aber es gab auch Kai aus Frankfurt. Er kam um die Mittagszeit an unseren Beratungsstand auf dem Bahnhofsvorplatz. Er hatte eine Flasche Bier in der Hand und bat um Verzeihung, da er alkoholisiert sei. Er brauche dringend eine Arbeit, um vom Alkohol wegzukommen. 

Und dann war da Shahin aus dem Irak. Er wusste nicht genau, wie alt er ist. Er saß wegen Beschaffungskriminalität ein dreiviertel Jahr im Gefängnis und hat dort den Drogenentzug geschafft. Nun ist er wieder draußen. Ohne Geld und ohne Wohnung. Er brauche dringend Arbeit. Wo er nun lebe? "Wieder bei meinen Junkies", antwortete er. Weil er Durst hatte und ich ihm nicht meine geöffnete Flasche zumuten wollte, gab ich ihm etwas Geld, um sich und mir je eine Flasche Wasser zu kaufen. Shahin kam nie wieder. Ich war nicht zornig. Ich war nur traurig. Tieftraurig. 

Auf unserer Tour kamen Menschen an unseren Stand, die am Ende des Gespräches weinten. Manche aus Sorge um die Ungewissheit ihrer Familie, manche nach eigenen Worten aus Dankbarkeit. Aus Dankbarkeit, dass wir uns die Zeit genommen haben, ihnen einmal zuzuhören. Diese Reise hat mich verändert. Sie macht demütig. 

Lichtblicke

Neben den traurigen Begegnungen gab es auch viele ermutigende Lichtblicke. So kamen Passanten manchmal zufällig an unseren Stand, die sich einen Tipp in stockenden Bewerbungsverfahren holten. Und siehe da: Wir erhielten auch Rückmeldungen, dass manche Idee und mancher Vorschlag sofort gelang. Das wichtigste, was die Menschen aus unserer Sicht bewahren müssen, sind Selbstvertrauen und Mut. 

Denn unsere Tipps sind oftmals Bestärkungen dessen, was uns die Ratsuchenden am Stand mit einem "aber" selbst als Idee erklärten.Unser Rat: "Aber lassen Sie einfach das Aber weg!". Lilly hat nach 27 Jahren Arbeitslosigkeit im Mai - mitten in der Krise - ihren Arbeitsplatz gefunden. Es geht also doch!

Das "Karstadt-Syndrom": aus Kollegen werden Konkurrenten

Mitten in unsere Tour platzt die Meldung, dass Galeria Karstadt Kaufhof über 80 Filialen und Sporthäuser schließt. Wieder klingelt unser Telefon, mittlerweile auch, weil Mitarbeiter von Real-Märkten und vielen kleinen scheinbar unbedeutenden Firmen sich um ihre berufliche Zukunft sorgen. Viele erzählen von Angst. Und Angst ist ein schlechter Ratgeber. Die Angst kommt von der Ungewissheit. Schnell werden aus jahrzehntelangen Kollegen plötzlich Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt, die Informationen um neue Jobs nicht mehr austauschen, weil es ja um die eigene Sicherheit geht. So wächst das Misstrauen, nagt die Unsicherheit am Selbstwertgefühl und der Reflex der unsolidarischen Hamsterkäufe von Klopapierrollen aus dem März kommt auf dem Arbeitsmarkt an. 

Für die Warenhaus-Mitarbeiter hatten wir noch während unserer Deutschland-Tour eine schnelle Hilfe erarbeitet: Wir erstellten aus deren Fragen heraus ein Online-Seminar mit wichtigen "Erste-Hilfe"-Tipps, die sofort zu beachten sind, um die zu erwartende Arbeitslosigkeit möglichst kurz zu halten. Unser improvisiertes "Online-Studio" für die Teilnehmer war ein Hotelzimmer auf unserer Deutschland-Tour. Die Schnelligkeit der Hilfe ist wichtiger als der perfekte Rahmen. Vielleicht hat es ein paar Menschen geholfen.

Der Unterschied zwischen Bonn und Hannover

Danke an die Stadt Bonn, die uns einlud und auf Standgeld verzichtete.

Zugegeben, unsere Tour setzte an der Stelle an, an der unsere Bundesregierung im Frühjahr Großes geleistet hat: Deutschland war unbürokratisch und half, wo Hilfe notwendig war. Allerdings kamen diese Entscheidungen aus Berlin und nicht aus Hannover. Während Ordnungsdienste in den meisten Städten uns beäugten und neugierig fragten, was wir denn genau mit unserem Stand vorhaben, ließen uns die meisten wohlwollend in Einkaufsstraßen, auf Marktplätzen oder auch vor dem Bahnhof stehen. Die Stadt Bonn schickte uns sogar einen schriftlichen Bescheid, dass wir die Stadt mit unserem Stand besuchen dürfen, gab uns einen Stellplatz mitten in der Innenstadt und verzichtete auf die üblichen Gebühren. 

In Hannover erteilte uns das Ordnungsamt einen Platzverweis.

Und dann kam unser Besuch in Hannover. In der örtlichen Zeitung stand an diesem Tag als Überschrift, wie viele Menschen in Hannover bei Karstadt in der Georgstraße ihre Arbeit verlieren. Also stellten wir uns direkt dort hin. Doch schon nach zehn Minuten schritt an unseren bereits belebten Stand mit festem Tritt ein Mann vom Typ "Schrank" und verlangte unsere "Papiere". Als wir diese nicht vorzeigen konnten und unser spontanes Ansinnen außerhalb der vierzehntägigen Antragsfrist erklärten, verwies er uns unter Androhung eines heftigen dreistelligen Ordnungsgeldes sofort des Platzes. Obgleich der Mann bürokratisch sicherlich im Recht war, waren die Menschen, die mit Fragen an unserem Stand waren, fassungslos. 

Als Schutz vor dem Ordnungsamt gab uns der Wirt von "Jack the Ripper´s London Tavern" in der Georgstraße 26 Asyl.

Aber zum Glück gibt es in Hannover auch noch "Toni", den Chef der London Tavern "Jack the Ripper". Der hat seinen Pub gleich nebenan. Im Sonnenschein durften wir ein paar seiner einladenden Draußen-Tische zur Seite schieben und von seinem Pub aus anderen Hannoveranern helfen. Danke Toni!

Unser Land verändert sich gerade massiv. Viele von uns haben das bisher noch gar nicht so sehr mitbekommen. Vieles ist in Gefahr, vieles in Veränderung. Ich glaube aber auch, dass wir in unserer Gesellschaft von der Veränderung profitieren können. Wenn es uns gelingt, mehr Mitmenschlichkeit weiterzugeben als immer nur den eigenen Profit im Auge zu haben, dann kann der Verzicht ein neuer Reichtum sein. 

 

Lars Naundorf, Inhaber von "Vermittlungstrainer.de"

Unsere schönste Nachricht:

Nächste Seminare:

Online-Seminar für Bewerber: 29. Sept. 20

 

Online-Seminar für Arbeitsberater: 7. Okt 20 (jeder 1. Mi. im Monat)

 

Live-Seminar für Bewerber: 17. Nov 20

 

Live-Seminar für Arbeitsberater: 18. Nov 2020

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Interview zu Jobchancen in Corona-Zeiten und zur Tour
Corona-Arbeitsberatung vor Ort; Deutschlandtour (mdr-TV)
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Diskussion bei "Hart aber fair"
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VermittlungsTrainer.de - Inh. Lars Naundorf